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"Ich will das Landratsamt erobern"
Kurz vor Ablauf der Anmeldefrist haben die Freien Wähler ihren Kandidaten für die Landratswahl in Pfaffenhofen nominiert. Wie erwartet wirft der 42-jährige Dr. Rolf Deml aus Geisenfeld den Hut in den Ring – nach 49 von 50 möglichen Ja-Stimmen auf der Delegiertenversammlung in Rohrbach
Demls Nominierung war nicht die einzige wichtige Weichenstellung, die im Wirtssaal an
diesem langen politischen Abend vorgenommen wurde. Kurz zuvor hatten die Delegierten über die Zusammensetzung des neuen Kreisvorstandes entschieden. Durchaus überraschend erklärte sich die Landtagsabgeordnete Claudia Jung dazu bereit, die Freien Wähler im Kreis zu führen.
Im Mittelpunkt stand aber Demls Vorstellung. Nachdem er zuvor Hände schüttelnd von Tisch zu Tisch unterwegs war und mit vielen der Delegierten zum ersten Mal einige persönliche Worte gewechselt hatte, gab er am Rednerpult eine erste Visitenkarte ab. "Ich sehe eine großartige Chance in diesem Wahlkampf. Es ist ein vollkommen offenes Rennen, an dem ich voller Elan und Freude teilnehmen möchte – und an dessen Ende ich das Landratsamt erobern möchte", sagte er voller Zuversicht.
Von Zurückhaltung keine Spur. Deml sieht sich zwar als Außenseiter, weil ihm noch der Bekanntheitsgrad und auch die politische Erfahrung fehlen. "Aber ich bin keineswegs chancenlos", fügt er an. Als frischgebackener Vater einer vier Monate jungen Tochter, der mit seiner Frau in Geisenfeld lebt, würde er sich als Landrat allen Bevölkerungsschichten verpflichtet fühlen. "Ich werde für jede Gruppe, für jedes Alter da sein. Probleme gibt es genug, wir haben im Landkreis massiven Änderungsbedarf", machte Deml deutlich.
Er empfand es für nötig, seinen beruflichen Werdegang noch einmal zu erläutern. "Ich bin ein echter Doktor, habe in Rechtswissenschaften promoviert", erklärte er mit einem Seitenhieb auf die Guttenberg-Affäre. Und er sei an den Börsen in München und Stuttgart für die Regeln des Handels und den Anlegerschutz zuständig gewesen. "Ich bin seit einem Jahr selbstständiger Berater im Banken- und Börsenbereich sowie Gesellschafter der Wolf-Gruppe – und kein Investmentbanker", setzte er auch einen Seitenhieb auf erste Kommentare der politischen Konkurrenten.
In Bezug auf die bekannten Probleme im Landkreis (Kinderstation, Umgehungsstraßen und Stimmkreisreform) bezog er klar Stellung: "Wir haben offenbar kein besonderes politisches Gewicht mehr. Wir sind ein Verliererlandkreis, obwohl wir wirtschaftlich prosperieren und einer der lebenswertesten Landkreise in ganz Deutschland sind – das kann und darf so nicht bleiben", sagte er und schwor die Freien Wähler auf einen kurzen, aber zugkräftigen Wahlkampf ein. Als Demls Ersatzkandidat wurde Pfaffenhofens Vize-Bürgermeister Albert Gürtner gewählt.
Langen Applaus spendeten Deml für seine Worte nicht nur alle Kreisdelegierten und die frisch gewählte Vorsitzende Jung, die ihm jede Unterstützung zusagte. "Wir brennen alle darauf, nach vorne zu schauen." Deml sei ehrlich, sympathisch, dynamisch und ein unverbrauchtes Gesicht, das sich noch gar nichts zu Schulden habe kommen lassen. "Jetzt stehen wir alle hinter ihm in seiner Mission, alle Herzen im Kreis zu erobern."
Ins selbe Horn stieß der Bundesvorsitzende der Freien Wähler, Hubert Aiwanger, der zur Aufstellungsversammlung extra angereist kam und auch eine kurze, allgemeine Rede hielt. Er ging klar auf Oppositionskurs zur schwarz-gelben Landesregierung, forderte mehr Unterstützung für die Kommunen und eine Politik mit gesundem Menschenverstand. "Wir schauen bei Großprojekten lieber drei als zwei Mal hin, wenn dafür mehr Geld für die Städte und Gemeinden bleibt", sagte er und stellte sich hinter Rolf Deml als Landrats-Kandidat: "Er hat die Zukunft im Blick und ist der beste Beweis dafür, dass mit den Freien Wählern im Kreis absolut zu rechnen ist."


